Samstag, 22. August 2026, 10:59 Uhr
Kirche in Sollstedt (Foto: Tino Sieland)
(re) Ulrike Patzelt und Madeleine von Behren haben die Ausbildung zur qualifizierten Lektorin erfolgreich abgeschlossen und werden am Sonntag für ihren Dienst von Superintendent Andreas Schwarze gesegnet.
Gottesdienst: 23.08., 10 Uhr, ev. Kirche in Sollstedt
Im Anschluss wird zu Kaffee & Kuchen eingeladen
Was bedeutet es im qualifizierten Lektorendienst zu sein?
Lektorinnen und Lektoren, die selbständig Gottesdienste leiten, haben sich für diese Aufgabe in einen Ausbildungskurs qualifiziert. Dieser umfasst ca. 80 Kursstunden und die schrittweise Einübung in die Praxis der Gottesdienstleitung unter Begleitung durch einen Mentor oder eine Mentorin. Zudem bringt man die Bereitschaft mit sich fortzubilden.
Unsere Öffentlichkeitsbeauftragte Regina Englert stellte den beiden neuen Lektorinnen im Kirchenkreis ein paar Fragen. Hier das Interview mit Ulrike Patzelt.
Das Interview mit Madeleine von Behren finden Sie
hier
Liebe Frau Patzelt, was hat Sie motiviert die Ausbildung zur qualifizierten Lektorin zu beginnen?
Gottesdienst zu feiern bedeutet für mich, Glauben zu leben, mich aus dem Alltag zu nehmen, um Gott zu begegnen, ihm zu danken für den Reichtum des Lebens, Schweres abzulegen und durch die Bibellesungen, Gebet und Segen eine Befreiung zu erfahren. Ich dachte, ein Lektorenkurs hilft mir vielleicht, Lesegottesdienste besser vorzubereiten und Sicherheit zu gewinnen, wenn ich vor die Gemeinde treten will, um mit ihr einen Gottesdienst zu feiern. Ausgebildete Lektoren können in unseren Gemeinden Gottesdienst feiern, wo Pfarrer oder Pfarrerin nicht sein können. Das war für mich auch eine starke Motivation.
Wie haben Sie die Ausbildung empfunden – Dauer, Inhalt, Gemeinschaft, Material?
Mir war bewusst, dass der Kurs anstrengend wird und viel Zeit binden würde. Aber mit jeder Fahrt nach Volkenroda konnte ich mich aus dem Alltag herausnehmen. Philip Kampe hat die Kurse klug geplant, uns nicht nur Wissen über Gottesdienst und Liturgie vermittelt, sondern auch für die Umsetzung in der Praxis gut vorbereitet. Durch die Gespräche über Bibeltexte, Gemeindeleben und theologische Hintergründe empfand ich Stärkung für die Aufgaben im Lektorendienst. Ich habe viel gelernt, auch über mich und meine Glaubenserfahrungen. Die kleine Kursgruppe unterschiedlichster Menschen war für mich eine weitere Bereicherung. Ich denke, der tiefe Wunsch, Glauben in unseren Gemeinden zu leben und Gottesdienste zu feiern hat uns miteinander verbunden.
Welche Bibelstelle begleitet Sie besonders?
Da würde ich an die Verse vom Wahren Weinstock bei Johannes im 15. Kapitel denken : Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. (Johannes 15, die Verse 1 bis 8)
Dienst & Vorbereitung
Wie bereiten Sie sich auf die Gottesdienste vor?
Ziemlich kurzfristig suche ich mir die Texte des Sonntags heraus, meist nutze ich die Internetseite Kirchenjahr evangelisch, dazu das Gottesdienstbuch und ein Gesangbuch. Dann lese ich mich in die Texte rein und suche nach einer passenden Lesepredigt. Es gibt im Internet schon eine ganz gute Auswahl. Aber Sprachstil und die Situation der angesprochenen Gemeinde müssen immer noch einmal angepasst werden. Man muss sich eine Lesepredigt zu eigen machen. Die Liedauswahl mache ich zum Schluss, Musik und Liedstrophen runden den Gottesdienst ab und sollen die Gemeinde ansprechen.
Was ist Ihnen beim Lesen eines Bibeltextes besonders wichtig?
Ich möchte den Bibeltext ergründen, ihn im theologischen Kontext verstehen und den Bezug zu unserer Zeit, zu meinem Leben finden. Dann kann es passieren, dass Gott mich direkt anspricht.
Gibt es liturgische Aufgaben, die Ihnen besonders Freude machen?
Ja, das gesungene Wort macht mir Freude. Musik trägt mich. Das empfinde ich als Geschenk.
Auch macht es mir Freude, wenn die Gemeinde die Liturgie kennt und mit großem Selbstverständnis dem Liturgen antwortet. Dann wird Gottesdienst lebendig.
Wie möchten Sie den musikalischen Teil im Gottesdienst gestalten?
Ich habe das Glück, dass mein Mann, Norbert Patzelt Kantor ist und wir meistens die Gottesdienste gemeinsam gestalten können. Das ist ein großes Privileg. In vielen Gemeinden ist die musikalische Gestaltung mit Orgel und Begleitung des Gemeindegesangs nicht mehr möglich. Aber es wachsen ja einige Organisten aus der Orgelschule meines Mannes heraus, diese Kontakte zum Nachwuchs würde ich erbarmungslos ausnutzen, bevor ich einen CD- Spieler oder das Handy im Gottesdienst nutzen wollte. Sollte kein Mensch für die musikalische Begleitung eines Gottesdienstes zur Verfügung stehen, singe ich lieber a cappella mit der Gemeinde.
Erfahrungen & Eindrücke
Erinnern Sie sich an einen Moment in der Ausbildung, der Sie besonders berührt hat?
Oh, da es gab doch einige berührende Situationen, manches war sehr persönlich.
Hat man Sie schon darauf angesprochen, dass Sie diese Ausbildung machen?
Wenn ich erzähle, dass ich den Lektorenkurs abgeschlossen habe und nun am Sonntag eingesegnet werden, komme ich mit Menschen ins Gespräch über Gottesdienste. Sie sind noch wichtig, auch wenn die Besucher oft nicht sehr zahlreich sind.
Blick nach vorn
Welche Hoffnungen oder Wünsche haben Sie für die Kirche der Zukunft?
Ich hoffe, dass unsere Kirche den Gemeinden wieder nahekommt, dass die Verkündigung lebendig und nahbar den Menschen vermitteln kann, wie die Geborgenheit im Glauben dem Leben Sinn und Halt geben wird. Die Bibel mit dem Alten und dem Neuen Testament ist das Fundament, das Gott uns gegeben hat. Ich wünsche mir sehr, dass die Kirche sich nicht verliert, sich treu bleibt trotz der großen Herausforderungen.
Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen, selbst Lektor*in zu werden?
Ich würde antworten: Mach das, probier es aus! Und wenn aus der Ausbildung wirklich kein regelmäßiges Lektorenamt erwächst, so kann der Kurs zu einem Glaubensseminar werden, das dich stärkt. Wer weiß denn, was Gott dir vor die Füße legen wird?
Liebe Frau Patzelt, herzlichen Dank für Ihre Eindrücke, die uns einen interessanten Blick auf das Lektorenamt und Ihren Dienst ermöglicht haben. Bleiben Sie behütet. Gottes Segen für Ihren Dienst!
Hintergrund:
Etwa 800 Lektorinnen und Lektoren sowie etwa 110 Prädikantinnen und Prädikanten gestalten aktuell in unserer Landeskirche, der EKM, ehrenamtlich das gemeindliche Leben mit.
Interesse?
Der nächste Kurs im Kloster Volkenroda beginnt im Januar 2027.
Hier finden Sie den Flyer zum Download
Flyer Lektorenkurs im Kloster Volkenroda 2027 .
Kontakt: Pfarrer Philip Kampe Tel. 036025-559-78 kampe@kloster-volkenroda.de
Für den qualifizierten Lektorendienst sind die Lektorenverantwortlichen im Kirchenkreis (Pfarrer Gregor Heimrich, gregor.heimrich@ekmd.de) oder die Arbeitsstelle Gottesdienst im Gemeindedienst der EKM (Pfarrer Stephan Köhler, stephan.koehler@ekmd.de) Ihre Ansprechpartner.