Freitag, 21. August 2026, 09:37 Uhr
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Kirche in Sollstedt (Foto: Tino Sieland)
Madeleine von Behren und Ulrike Patzelt haben die Ausbildung zur qualifizierten Lektorin erfolgreich abgeschlossen und werden am Sonntag für ihren Dienst von Superintendent Andreas Schwarze gesegnet.
Gottesdienst: 23.08., 10 Uhr, ev. Kirche in Sollstedt
Im Anschluss wird zu Kaffee & Kuchen eingeladen
Was bedeutet es im qualifizierten Lektorendienst zu sein?
Lektorinnen und Lektoren, die selbständig Gottesdienste leiten, haben sich für diese Aufgabe in einen Ausbildungskurs qualifiziert. Dieser umfasst ca. 80 Kursstunden und die schrittweise Einübung in die Praxis der Gottesdienstleitung unter Begleitung durch einen Mentor oder eine Mentorin. Zudem bringt man die Bereitschaft mit sich fortzubilden.
Gibt es einen Unterschied zwischen Lektor*in und dem qualifizierten Lektorendienst?
Ja. Wenn Sie den Gottesdienst aktiv mitgestalten wollen, können Sie Lektorendienste übernehmen. Als Lektor tragen Sie entweder die biblischen Lesungen im Gottesdienst vor (einfacher Lektorendienst) oder Sie leiten ehrenamtlich Gottesdienste unter Verwendung einer Predigtvorlage (qualifizierter Lektorendienst).
Interview
Unsere Öffentlichkeitsbeauftragte Regina Englert stellte den beiden neuen Lektorinnen im Kirchenkreis ein paar Fragen. Fangen wir mit Madeleine von Behren an. Ulrike Patzelt wird folgen, wenn wir vom Segnungsgottesdienst berichten.
Liebe Frau von Behren, welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Alltag?
Der Glaube war in meiner Familie schon immer ein Bestandteil unseres Tagesablaufes. Ich freue mich jedes Jahr über das Weihnachtsgeschenk meiner Oma: das neue Losungsbuch für das nächste Jahr. Nun habe ich anhand eines Bibelleseplanes mit einem systematischen Bibellesen begonnen. In meiner beruflichen Karriere war ich 24 Jahre in einer konfessionellen Einrichtung bzw. bei einem konfessionellen Träger tätig und sogar aktive Schwester in der Schwesternschaft des Evangelischen Diakonievereins Berlin-Zehlendorf. Als Krankenschwester und Diakonieschwester habe ich mit Patienten gebetet und Kirchenlieder gesungen, weil das zu meinem christlichen Verständnis gehört.
Die Arbeit mit Kindern in unserer Gemeinde habe ich sehr gerne begleitet, weil es wichtig ist, den Kindern ein Verständnis für das gemeinsame Beten, das Erzählen von Jesus und die Nächstenliebe zu vermitteln. Meine Tochter ist nun selbst in der Kinderstunde als Teamerin mit Juleica-Schein beteiligt und mein Sohn nimmt begeistert am Kindergottesdienstangebot teil.
Welche Bibelstelle begleitet Sie besonders?
Ich lese gerne in den Psalmen. Mich bewegt die Poesie der Gebete, deren Bandbreite von Klageliedern bis zum Lobpreis reicht.
Was hat Sie motiviert, die Ausbildung zur qualifizierten Lektorin zu beginnen?
Zunächst wollte ich meine Gemeinde unterstützen – gerade auch vor dem Hintergrund, dass uns in der aktuellen Situation eine Vakanzzeit der Pfarrstelle bevorsteht. Hinzu kommt: In unserer Gemeinde gibt es Lektor*innen, die jedoch aus verschiedenen Gründen dieses Amt nicht mehr ausüben können. Also hier war Bedarf und ich konnte mir das, ganz platt gesagt, vorstellen. Dann wurde mir klar: Der Verkündigungsauftrag beschränkt sich schon immer nicht allein auf die Hauptamtlichen. Ich finde es spannend, wie wir unser Glaubenszeugnis in die Aufgabe einbringen können.
Wie haben Sie die Ausbildung empfunden?
Die Ausbildung war in Gänze ausreichend, um auf die Aufgaben der Lektorin vorzubereiten. Wir haben an jedem Seminartag mit der Bibelarbeit begonnen. Das waren vor allem Predigttexte der aktuellen Sonntage. Hier konnten wir für uns erfahren, mit welcher Methode wir Bibeltexte, insbesondere für die Predigt, erarbeiten können. Das ist entscheidend dabei, sich dem Text zu nähern, manchmal auch zwischen den Zeilen zu lesen und ihn für die Predigt aufzuschließen.
Ich war neugierig, ob die angegebene Seminardauer ausreicht, uns das Wissen und die Fertigkeiten zu vermitteln, die es in dieser Aufgabe braucht. Und ich kann heute sagen: Wir wurden umfänglich vorbereitet, die Gottesdienste zu erarbeiten und zu leiten.
Wie bereiten Sie sich ganz persönlich auf den Gottesdienst vor?
Auf jeden Fall mit ausreichend Zeit und wiederholtem Beschäftigen mit den einzelnen Zeilen des Predigttextes. Denn ich brauche Momente für mich, um die Texte und geschilderten Situationen gedanklich durchzugehen. Sehr hilfreich finde ich die Kirchenjahr Evangelisch-App. Hier werden zu jedem Sonntag zeitnah liturgische Texte, Lieder, Wochengebete und weitere hilfreiche Vorschläge veröffentlicht – sogar eine Lesepredigt und eine ausführliche Exegese (vertiefendes Wissen, geschichtlicher Kontext). Eine gute Struktur zu haben ist auch wichtig; so habe ich mir auf meinem PC schon das Grundgerüst hinterlegt, das ich dann anpassen kann.
In jedem Fall stimme ich meine Eindrücke und Vorbereitungen dann mit meiner Mentorin (Frau Pfarrerin Petra Lehner) ab. Das ist eine wertvolle Unterstützung und Erweiterung, die auch nach der Ausbildung bestehen bleibt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Was ist Ihnen beim Lesen eines Bibeltextes besonders wichtig?
Ich habe mir nun mehrere Bibelübersetzungen angeschafft. Besonders freue ich mich über den Tipp Willkommen daheim-Übersetzung. Das ist das Neue Testament in einer sehr zugänglichen Sprache, die sich hervorragend durchweg lesen lässt. Dann habe ich eine Elberfelder Bibel neu in meinem Schrank. Die hier gleich eines Lexikons ergänzenden Fakten bauen ein gutes Verständnis auf.
Gibt es liturgische Aufgaben, die Ihnen besonders Freude machen?
Mich bewegt immer wieder das gemeinsame Beten der Fürbitten. Das hat mich schon vor dem Kurs bewegt. Die gesamte Gemeinde stimmt ein in das Gebet. Das hat so viel Kraft.
Wie möchten Sie den musikalischen Teil im Gottesdienst gestalten?
Schon als junges Gemeindemitglied war ich in die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Flötengruppe eingebunden. Diesem Instrument bin ich treu geblieben. Mit meiner Tenorflöte komme ich nah an die Tonhöhe der Gemeinde heran. Besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit meiner Tochter: Sie bekommt seit zwei Jahren Orgelunterricht und begleitet gelegentlich die Gottesdienste mit ihrem Können. Zu selten ist bekannt, ob ein Gemeindemitglied eine musikalische Begabung hat, die in den Gottesdienst eingebracht werden könnte. Ich bin der Meinung, diese Personen möchten angesprochen und gefragt werden, dann sind sie sicher bereit.
Erinnern Sie sich an einen Moment in der Ausbildung, der Sie besonders berührt hat?
Bei praktischen Übungen habe ich erfahren, welche Wirkung der Altar im Kirchenraum hat. Dessen war ich mir zuvor gar nicht bewusst. Durch meine berufliche Tätigkeit kenne ich die Situation, vor einem Publikum zu stehen und zu reden. Für mich neu war die Erfahrung, wie heilig sich das Beten am Altar mit und für die Gemeinde anfühlt.
Hat man Sie schon darauf angesprochen, dass Sie diese Ausbildung machen?
Ja, meine Geschwister im Gemeindekirchenrat sind interessiert und tatsächlich gibt es zwei ernsthaft Interessierte, die die Ausbildung auch angehen möchten. Das ist wirklich fantastisch.
Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen, selbst Lektor*in zu werden?
Es ist ein Dienst für die Gemeinde. Ich sehe es als meine Aufgabe, meinen Geschwistern im Glauben einen feierlichen Gottesdienst zu gestalten. Dabei geht es nicht um mich, sondern darum, ihnen das gemeinsame Beten und Singen und das Verstehen der Bibel zu ermöglichen. Über diesen wesentlichen Punkt hinaus ist man nicht allein gelassen mit der Aufgabe: Man lernt die einzelnen Gemeinden besser kennen, steht im Austausch mit Musikern und anderen Geschwistern in der Verkündigung.
Liebe Frau von Behren, herzlichen Dank für Ihre Eindrücke, die uns einen interessanten Blick auf das Lektorenamt und Ihren Dienst ermöglicht haben. Bleiben Sie behütet. Gottes Segen für Ihren Dienst!
Hintergrund:
Etwa 800 Lektorinnen und Lektoren sowie etwa 110 Prädikantinnen und Prädikanten gestalten aktuell in unserer Landeskirche, der EKM, ehrenamtlich das gemeindliche Leben mit.
Interesse?
Der nächste Kurs im Kloster Volkenroda beginnt im Januar 2027.
Hier finden Sie den Flyer zum Download
Flyer Lektorenkurs im Kloster Volkenroda 2027 .
Kontakt: Pfarrer Philip Kampe Tel. 036025-559-78 kampe@kloster-volkenroda.de
Für den qualifizierten Lektorendienst sind die Lektorenverantwortlichen im Kirchenkreis (Pfarrer Gregor Heimrich, gregor.heimrich@ekmd.de) oder die Arbeitsstelle Gottesdienst im Gemeindedienst der EKM (Pfarrer Stephan Köhler, stephan.koehler@ekmd.de) Ihre Ansprechpartner.