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Oasentag mit neuen Perspektiven

Sonntag, 10.Oktober 2021, 04:51 Uhr
Einen Oasentag 3 G hat es bislang im Kirchenkreis Südharz noch nicht gegeben. Eine treffende Übersetzung wäre: „dreifach gut“ inspirierend, fröhlich und segensreich. Fröhlich schon aufgrund des nun endlich wieder möglichen Austausches.
Gleich am Morgen werden die Frauen erst einmal getestet. „Nachdem alle 30 „Bohrungen“ negativ ausgefallen sind, geht es nur noch positiv weiter“, wie die Beauftragte für Frauen, Kathrin Schwarze, schmunzelnd bemerkt. Unter dem Titel „Zickenalarm No“, nach Birgit Mattausch, beschäftigen sich die Teilnehmerinnen in der Nordhäuser Jugendkirche mit dem Gleichnis der 10 Jungfrauen. Schwere Kost aus dem Matthäusevangelium (25,1-13), wenn man den Text ohne Auslegung liest. Viel Raum für Unverständnis und Aufregung. Über verschiedene Fragen nähern sich die Grüppchen dem Thema an. Angeleitet werden sie dabei von Eva Lange, der neuen leitenden Pfarrerin der Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland (EFiM). Gerade erst im September hat die sympathische und engagierte ordinierte Gemeindepädagogin ihren neuen Dienst begonnen. Lange spricht von der Bibel als Buch der Befreiung. „Und wer sehnt sich nicht nach Freiheit?“, fragt sie in die Runde. „Nehmen wir uns die Freiheit, das Gleichnis von einer anderen Seite zu befragen“, fordert Eva Lange auf und nimmt die Teilnehmerinnen mit in die Entstehungsgeschichte des Textes. Die Basis ihrer Bibelarbeit ist das Buch „Die Gleichnisse Jesu“, geschrieben von Luise Schottroff (1934-2015). Der Blick in die Vergangenheit zeigt Frauen, definiert über Anpassung, Unterwerfung und Ehe. Die geschlossene Tür im Evangelium kam einem Todesurteil gleich die Tür zu einer Ehe war verschlossen, das „normale“ gesellschaftliche Leben damit schon in jungen Jahren beendet. Der Blick in die Gegenwart erlaubt den Blick auf unseren Umgang mit dem Gleichnis heute. Was können wir daraus für Fragen im Hier und Jetzt entwickeln? Eva Lange führt die Frauen auf einen neuen möglichen Weg der Interpretation. „Überdenkt die traditionelle Auslegung, wenn euch etwas merkwürdig vorkommt“, empfiehlt sie den Frauen. Das braucht Übung und fällt in der Gruppe leichter, als allein zu Hause mit der Bibel in der Hand. Darum seien auch Kirchencafés nach dem Gottesdienst so wertvoll. Sie ermöglichen genau solche Nachfragen und Diskussionen des Gehörten.
Zu diesem Gleichnis gab Eva Lange den Frauen ermutigend mit auf den Weg: „Wir haben noch Zeit das Unrecht zu beenden. Wir können Türen öffnen!“ Als sich in der Pause die Tür zur Herzschlag-Küche öffnet, erwartet ein stilvoll gekleideter Superintendent Andreas Schwarze die Frauen mit kleinen Erfrischungen. Eine schöne Geste, die fast schon ein bisschen Tradition hat. Ebenso wie die musikalische Unterstützung durch Kantorin Viola Kremzow.
Auch ein fast schon „Wie-immer“ ist das bewegende Element des Segens zum Abschluss des Tages. Dieses Mal an drei Stationen und ganz individuell für jede Einzelne. Wer genauer hinsah, entdeckte viele feuchte Augenpaare. Jede Teilnehmerin hat ihre ganz persönliche Geschichte und bringt einen Teil davon heute vor Gott. Gesegnet wird auch Birgit Fehrmann, die aus dem Frauenteam ausscheidet. Dass ihr der Abschied aus dem Team schwerfällt, ist deutlich zu sehen. Und auch das Team lässt sie nur ungern gehen.
Gestärkt mit ihrem Segen und einem Engel als Erinnerung, reisen am Mittag alle wieder zurück in ihre Gemeinden und werden dort bestimmt davon erzählen.
Regina Englert
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