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Teil 3: Fragen an A. Schwarze im Vorfeld der Superintendenten-Wahl

Montag, 06. November 2023, 03:12 Uhr
3. Teil des Interviews mit Superintendent Andreas Schwarze im Vorfeld der Superintendenten-Wahl, die zur Herbstsynode am 18.11.2023 auf der Tagesordnung steht.
Wir werden Superintendent Andreas Schwarze an dieser Stelle wöchentlich bis zur Synode einige Fragen stellen, zu denen wir um kurze Antworten gebeten haben. Der Fragenkatalog wird sich um die Entwicklung des Kirchenkreises, die Personalentwicklung, die Strukturen, einen Kirchenkreis Nordthüringen, Ehrenamtliche, Politik, das Amt des Superintendenten und Kirche in der Gesellschaft drehen.
Den Katalog erarbeitet hat Regina Englert, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Südharz.

Teil 3

Werden die Ehrenamtlichen in Zukunft in ihren Gemeinden noch aktiver werden müssen? Ist das die Lösung, die sicherlich auf Gegenwind stoßen wird?
Ich höre oft die Frage: „Was sollen wir (denn) noch alles tun?“ Ich glaube, es geht nicht um mehr und noch aktiver, sondern vielmehr um die Frage, wie wir etwas andenken. In einem Netzwerk gibt es nicht überall alles, aber alle können miteinander eine Menge gestalten und erleben. Seit vielen Jahren schon gibt es Versuche, weg von einer Angebotskirche hin zu einer Beteiligungskirche zu denken. Wir haben in unseren Gemeinden so viele tolle Gaben und so viele gute Ideen, die noch nicht zum Tragen gekommen sind. Und wenn wir in unseren Kirchenkreis schauen, dann gibt es viele gelungene Beispiele für kirchliches Leben in der Verantwortung Ehrenamtlicher. Ich denke an eine Liedzeile aus der Feder von Klaus-Peter Hertzsch: „Wer aufbricht, der kann hoffen“. Das gilt auch für unsere Gemeinden.

Müssen Strukturen umgebaut werden und wie könnte das dann aussehen?
Wir sind dabei, die Kirchenkreisstruktur zu ändern, um auch zukünftig Gemeinden unterstützen zu können. Im Kirchenkreis selber versuchen wir, Kirche neu zu denken das schließt die Strukturen mit ein. Im Stellenplanspiel für 2035 haben sich viele Menschen Gedanken gemacht, ob wir nicht in den vier Regionen mit Teams arbeiten müssten. Und der Stellenplanausschuss überlegt, ob wir die Gemeindepfarrstellen nicht in Regionalpfarrstellen umwandeln sollten. Für alle diese Überlegungen gilt es die positive Wirkung und die negativen Folgen möglichst weitreichend zu bedenken. Daher dauert manches seine Zeit. Die aber sollten wir uns nehmen.

Gelingt es Ihnen als Superintendent, Kontakt zu den Gemeindemitgliedern zu halten?
Ich möchte gerne möglichst breit als Ansprechpartner da sein und das nicht nur dann, wenn es Probleme zu bewältigen gibt. Ich komme gerne in Gemeindekirchenratssitzungen, wir versammeln die Vorsitzenden der Gemeindekirchenräte regelmäßig und ich bin gerne sonntags zum Gottesdienst feiern und predigen im Kirchenkreis unterwegs. Seit Sommer dieses Jahres habe ich offiziell die Vakanz im Pfarrbereich Großbodungen übernommen. Näher dran an dem, was Gemeinde zur Zeit bewegt, geht fast gar nicht. Ich versuche immer wieder, anstehende Fragen aus der Gemeindeperspektive zu sehen.

Was sind die drängendsten Aufgaben der nächsten Jahre, neben der möglichen Bildung des Kirchenkreises Nordthüringen?
Wir blicken als Kirche auf Jesus Christus. Daraus eröffnet sich eine doppelte Perspektive. Nach innen schauen wir auf unsere Gemeinden und das Miteinander. Nach außen sehen wir in die Gesellschaft und zu unseren Mitmenschen. Nach innen bewegt mich die Frage nach dem geistlichen Zustand unserer Gemeinden. Nach außen bewegt mich gemessen an den Gedanken Dietrich Bonhoeffers die Frage: Wie sind wir Kirche für andere? Wie sind wir da? Wie mischen wir uns ein? Alles andere muss im Grunde so sein, dass es dieser doppelten Perspektive dient.

Welche Aufgaben erfüllt ein Superintendent im Südharz, von denen man als Gemeindemitglied nicht unbedingt etwas mitbekommt?
Die Liste „verborgener“ Aufgaben ist doch länger als gedacht. Sehr viel Zeit braucht es für Personalangelegenheiten. Da sind Stellen zu besetzen, Mitarbeitenden zu begleiten und manchmal auch Konflikte zu lösen. In regelmäßigen Abständen gibt es Mitarbeitendenjahresgespräche. An zweiter Stelle steht die vielfältige Gremienarbeit. Entscheidungen wollen getroffen werden. Ich möchte solche Prozesse so transparent wie möglich gestalten und auf eine möglichst breite Basis stellen. Dann kommt als dritter großer Punkt die Netzwerkarbeit dazu. Gemeinsam mit anderen Superintendentinnen und Superintendenten, über die Grenzen der Landeskirche hinweg bin ich im regelmäßigen Austausch über aktuelle Themen kirchlicher Arbeit. Da hinein fallen auch die Konvente für die mittlere Ebene. Ich sitze in den Gremien unserer diakonischen Einrichtungen, habe Konventsleitungsaufgaben und die Leitung für die Planungsrunde zum Kreiskirchentag 2024. Für unsere Landeskirche leite ich zudem den Beirat für Migration und Integration.

Weiter geht es am 13. November mit dem letzten Teil der Interviewreihe.

Gern können auch Sie Ihre Fragen einbringen - einfach per Mail an regina.englert(at)ekmd.de

TEIL 1


Herr Superintendent, Sie haben sich bereiterklärt erneut für das Amt des Superintendenten zu kandidieren. Die Herbstsynode hat diese Wahl auf ihrer Tagesordnung stehen. Es gibt keinen Gegenkandidaten. Also schon jetzt alles in Butter?
Nachdem ich auf der Frühjahrssynode meine Bereitschaft zur Weiterarbeit erklärt habe, freue ich mich sehr über das Vertrauen seitens des Nominierungsausschusses. Damit liegt der Kreissynode für die Wahl am 18.11.2023 zunächst ein Wahlvorschlag vor. Ich werde mich den Synodalen erneut vorstellen mit Gedanken und Perspektiven für unsere kirchliche Arbeit und zur Zukunft der Gemeinden im Kirchenkreis Südharz. Ich lege diese Gedanken bewusst in die Hände der Synodalen, die sie für ihre Gemeinden und Regionen verantwortlich prüfen. Für eine gemeinsame Weiterarbeit müssen sich mindestens 26 von 51 Synodalen in geheimer Wahl aussprechen.

Wie lange dauert eine Amtszeit und wann beginnt die nächste?
Ich bin von der Kreissynode für die Dauer von 10 Jahren gewählt. Die erste Amtszeit dauert noch bis zum 31. August 2024. Ab September beginnt dann eine neue Amtszeit.

Die Zahl evangelischer Christen ist deutschlandweit in den letzten 10 Jahren gesunken, wie sind die Prognosen für den Kirchenkreis Südharz in den kommenden Jahren?
Zahlen sind sicher wichtig, aber sie sind nicht alles. Was uns als Kirche ausmacht und was wir für die Menschen in unseren Gemeinden ausmachen, ist oftmals gar nicht an den Zahlen ablesbar. Dennoch ist die Entwicklung z.B. von Finanzen oder Personal eng mit der Zahl der eingetragenen Gemeindeglieder verbunden. Diese Zahl nimmt kontinuierlich um ca. drei Prozent ab und wird das in Zukunft wohl noch stärker tun.

Schwindende Mitgliederzahlen kennen Sie die Gründe dafür?
Die neueste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zeigt, dass es keine spezifischen Gründe für Kirchenaustritte mehr gibt. Menschen treten zu allen Lebenszeiten und durch eine Vielzahl von Gründen aus der Kirche aus. Was wir aber sehen ist, dass die Zahl der Taufen rückläufig ist. Wir haben demnach ein Taufproblem in unseren Gemeinden.


TEIL 2

Wird sich die Altersstruktur auch auf die Finanzen auswirken? Und was bedeutet das dann für den Kirchenkreis?
In den kommenden Jahren gehen einkommensstarke Jahrgänge dem Ruhestand entgegen. Da die Kirchensteuer im Zusammenhang mit dem Einkommen zu sehen ist, wird das natürlich Auswirkungen haben. Die Frage nach der zukünftigen finanziellen Situation ist aber bei Weitem nicht nur von der Altersstruktur der Gemeindeglieder abhängig. Das Finanzsystem ist vielfältig und komplex. Die mittel- und langfristige Planung läuft längst auf landeskirchlicher Ebene.

Der Weg in die Zukunft scheint ein großer Kirchenkreis Nordthüringen (KKN) zu sein? Wie weit sind da die Gespräche?
Die Kreissynoden der drei Kirchenkreise Bad Frankenhausen-Sondershausen, Mühlhausen und Südharz haben sich mit gleichlautenden Beschlüssen zu Fusionsgesprächen auf den Weg gemacht. Noch im November wird es den 3. Begegnungstag der Kreiskirchenräte geben und im kommenden Jahr ist für Ende August eine gemeinsame Synodaltagung im Kloster Volkenroda geplant. In den Arbeitsgruppen laufen jetzt die Gespräche an, bzw. sind angelaufen, so dass wir auch in den Sachthemen unterwegs sind.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von einem KKN?
Ein gemeinsamer Kirchenkreis „Nordthüringen“ hat ganz andere Voraussetzungen, z.B. in der Wahrnehmung übergeordneter Aufgaben. Die Gehörlosenseelsorge wird bereits für die drei Kirchenkreise gemeinsam wahrgenommen. Ein Kirchenkreis alleine wäre da ein viel zu kleiner Raum. Konkret sehe ich Vorteile besonders in der Seelsorge, der Personalplanung, bei den finanziellen Ressourcen und im Verwaltungshandeln.

Wie sieht die Personalentwicklung innerhalb der evangelischen Kirche insgesamt aus?
Wir schauen in der Personalplanung für den Verkündigungsdienst voraus bis etwa 2040. Was wir nicht wissen ist, wie viele Stellen werden wir tatsächlich besetzen können. Schon heute sehen wir die vielen vakanten Pfarrstellen und wissen, dass wir das derzeit nicht aufholen können. Also werden wir kreativ und überlegen nach alternativen Zugängen zum Verkündigungsdienst. Wir denken intensiv über Teambildung nach und erproben neue Gemeindemodelle. In unserem Kirchenkreis findet das Niederschlag unter anderem in der Arbeitsgruppe „Kirche neu denken“ gemeinsam mit der zu besetzenden Projektstelle „Lichternetzwerk“.

Es gibt einige vakante/freie Stellen im Südharz. Wie kann Seelsorge trotzdem gelingen?
Seelsorge gelingt auf ganz unterschiedliche Weise. Wir sind in der Krankenhausseelsorge, der Gehörlosenseelsorge, der Seelsorge für Migrantinnen und Migranten und in der Notfallseelsorge aktiv. Wir begleiten Kranke, Sterbende und Angehörige in den Gemeinden. Für alle freien Stellen im Kirchenkreis haben wir Vertretungsdienste beauftragen können. So gibt es in allen Kirchengemeinden eine Pfarrerin oder einen Pfarrer, die angesprochen werden wollen und für Seelsorgegespräche bereitstehen.

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