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Teil 2: Fragen an A. Schwarze im Vorfeld der Superintendenten-Wahl

Montag, 30. Oktober 2023, 03:48 Uhr
(re)
2. Teil des Interviews mit Superintendent Andreas Schwarze im Vorfeld der Superintendenten-Wahl, die zur Herbstsynode am 18.11.2023 auf der Tagesordnung steht.
Wir werden Superintendent Andreas Schwarze an dieser Stelle wöchentlich bis zur Synode einige Fragen stellen, zu denen wir um kurze Antworten gebeten haben. Der Fragenkatalog wird sich um die Entwicklung des Kirchenkreises, die Personalentwicklung, die Strukturen, einen Kirchenkreis Nordthüringen, Ehrenamtliche, Politik, das Amt des Superintendenten und Kirche in der Gesellschaft drehen.
Den Katalog erarbeitet hat Regina Englert, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Südharz.

Doch damit nicht genug. SIE haben die Möglichkeit Ihre eigenen Fragen einzubringen. Schicken Sie sie einfach an Regina Englert: regina.englert@ekmd.de

TEIL 2

Wird sich die Altersstruktur auch auf die Finanzen auswirken? Und was bedeutet das dann für den Kirchenkreis?
In den kommenden Jahren gehen einkommensstarke Jahrgänge dem Ruhestand entgegen. Da die Kirchensteuer im Zusammenhang mit dem Einkommen zu sehen ist, wird das natürlich Auswirkungen haben. Die Frage nach der zukünftigen finanziellen Situation ist aber bei Weitem nicht nur von der Altersstruktur der Gemeindeglieder abhängig. Das Finanzsystem ist vielfältig und komplex. Die mittel- und langfristige Planung läuft längst auf landeskirchlicher Ebene.

Der Weg in die Zukunft scheint ein großer Kirchenkreis Nordthüringen (KKN) zu sein? Wie weit sind da die Gespräche?
Die Kreissynoden der drei Kirchenkreise Bad Frankenhausen-Sondershausen, Mühlhausen und Südharz haben sich mit gleichlautenden Beschlüssen zu Fusionsgesprächen auf den Weg gemacht. Noch im November wird es den 3. Begegnungstag der Kreiskirchenräte geben und im kommenden Jahr ist für Ende August eine gemeinsame Synodaltagung im Kloster Volkenroda geplant. In den Arbeitsgruppen laufen jetzt die Gespräche an, bzw. sind angelaufen, so dass wir auch in den Sachthemen unterwegs sind.

Welche Vorteile versprechen Sie sich von einem KKN?
Ein gemeinsamer Kirchenkreis „Nordthüringen“ hat ganz andere Voraussetzungen, z.B. in der Wahrnehmung übergeordneter Aufgaben. Die Gehörlosenseelsorge wird bereits für die drei Kirchenkreise gemeinsam wahrgenommen. Ein Kirchenkreis alleine wäre da ein viel zu kleiner Raum. Konkret sehe ich Vorteile besonders in der Seelsorge, der Personalplanung, bei den finanziellen Ressourcen und im Verwaltungshandeln.

Wie sieht die Personalentwicklung innerhalb der evangelischen Kirche insgesamt aus?
Wir schauen in der Personalplanung für den Verkündigungsdienst voraus bis etwa 2040. Was wir nicht wissen ist, wie viele Stellen werden wir tatsächlich besetzen können. Schon heute sehen wir die vielen vakanten Pfarrstellen und wissen, dass wir das derzeit nicht aufholen können. Also werden wir kreativ und überlegen nach alternativen Zugängen zum Verkündigungsdienst. Wir denken intensiv über Teambildung nach und erproben neue Gemeindemodelle. In unserem Kirchenkreis findet das Niederschlag unter anderem in der Arbeitsgruppe „Kirche neu denken“ gemeinsam mit der zu besetzenden Projektstelle „Lichternetzwerk“.

Es gibt einige vakante/freie Stellen im Südharz. Wie kann Seelsorge trotzdem gelingen?
Seelsorge gelingt auf ganz unterschiedliche Weise. Wir sind in der Krankenhausseelsorge, der Gehörlosenseelsorge, der Seelsorge für Migrantinnen und Migranten und in der Notfallseelsorge aktiv. Wir begleiten Kranke, Sterbende und Angehörige in den Gemeinden. Für alle freien Stellen im Kirchenkreis haben wir Vertretungsdienste beauftragen können. So gibt es in allen Kirchengemeinden eine Pfarrerin oder einen Pfarrer, die angesprochen werden wollen und für Seelsorgegespräche bereitstehen.

Weiter geht es am 06. November.

TEIL 1


Herr Superintendent, Sie haben sich bereiterklärt erneut für das Amt des Superintendenten zu kandidieren. Die Herbstsynode hat diese Wahl auf ihrer Tagesordnung stehen. Es gibt keinen Gegenkandidaten. Also schon jetzt alles in Butter?
Nachdem ich auf der Frühjahrssynode meine Bereitschaft zur Weiterarbeit erklärt habe, freue ich mich sehr über das Vertrauen seitens des Nominierungsausschusses. Damit liegt der Kreissynode für die Wahl am 18.11.2023 zunächst ein Wahlvorschlag vor. Ich werde mich den Synodalen erneut vorstellen mit Gedanken und Perspektiven für unsere kirchliche Arbeit und zur Zukunft der Gemeinden im Kirchenkreis Südharz. Ich lege diese Gedanken bewusst in die Hände der Synodalen, die sie für ihre Gemeinden und Regionen verantwortlich prüfen. Für eine gemeinsame Weiterarbeit müssen sich mindestens 26 von 51 Synodalen in geheimer Wahl aussprechen.

Wie lange dauert eine Amtszeit und wann beginnt die nächste?
Ich bin von der Kreissynode für die Dauer von 10 Jahren gewählt. Die erste Amtszeit dauert noch bis zum 31. August 2024. Ab September beginnt dann eine neue Amtszeit.

Die Zahl evangelischer Christen ist deutschlandweit in den letzten 10 Jahren gesunken, wie sind die Prognosen für den Kirchenkreis Südharz in den kommenden Jahren?
Zahlen sind sicher wichtig, aber sie sind nicht alles. Was uns als Kirche ausmacht und was wir für die Menschen in unseren Gemeinden ausmachen, ist oftmals gar nicht an den Zahlen ablesbar. Dennoch ist die Entwicklung z.B. von Finanzen oder Personal eng mit der Zahl der eingetragenen Gemeindeglieder verbunden. Diese Zahl nimmt kontinuierlich um ca. drei Prozent ab und wird das in Zukunft wohl noch stärker tun.

Schwindende Mitgliederzahlen kennen Sie die Gründe dafür?
Die neueste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zeigt, dass es keine spezifischen Gründe für Kirchenaustritte mehr gibt. Menschen treten zu allen Lebenszeiten und durch eine Vielzahl von Gründen aus der Kirche aus. Was wir aber sehen ist, dass die Zahl der Taufen rückläufig ist. Wir haben demnach ein Taufproblem in unseren Gemeinden.

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