Meldung

Ein Relikt aus alter Zeit nennt sich Pfr. Hänel selbst

Montag, 19. Juni 2023, 15:20 Uhr

(re) Pfarrer Matthias Hänel wurde in den Ruhestand verabschiedet

Knapp 4.000 Predigten habe er wohl in seiner Dienstzeit gehalten, blickt Pfarrer Matthias Hänel zurück. In die Predigt zu seiner Verabschiedung am Sonntag packt er seine brennendsten Anliegen noch einmal hinein. Denn ab dem 1. Juli trägt seine Dienstbezeichnung den Zusatz i.R., in Ruhe. Oder wie es Superintendent Andreas Schwarze umschreibt in Reichweite, in Rufweite oder immer reaktivierbar. Doch zunächst nimmt sich Matthias Hänel zurück, die Gesundheit seiner Frau Marianne braucht jetzt die Kraft der Familie und die Gebete der Gemeinde.
Der Sonntag in Salza
Die St.-Laurentius-Kirche ist voll zur Verabschiedung des Ehepaares Hänel. „Das Wandelabendmahl zog sich über eine halbe Stunde“, weiß Regina Englert zu berichten. Und für jeden hat Matthias Hänel später vor der Kirchentür noch ein Wort, ein offenes Ohr, einen Segen, einen Händedruck, so, wie all die Jahre zuvor. An seiner Seite seine Frau Marianne, die oft die so wichtigen Hintergrundaufgaben erledigt hat. „Wir sind Relikte aus alter Zeit“, sagt Hänel. Er zähle noch zu den Pfarrern, die von der Stasi allmonatlich im Büro besucht worden seien. „Die Kirche sollte untergehen, wir wissen, sie ist geblieben“, sagt er dankbar, während auf dem Bildschirm die Fahne der DDR eingeblendet wird. Der Rückblick weicht dem nachdenklichen Blick in die Gegenwart.

Gemeinde und Kirche heute
Er hinterfragt, ob in Gemeinden heute so gesprochen werde, dass es jeder verstehe, ob sie wirklich offen seien für die Schwachen? Schmerzlich liegen ihm die Allerschwächsten auf dem Herzen. „Die Ungeborenen haben keinen Anwalt!“, erinnert er die Gottesdienstbesucher eindringlich. Darum richtet sich auch seine brennendste Bitte an diesem Tag an die Kirche. Beratung, Unterstützung, Hilfsangebote für werdende Mütter - da müsse viel mehr getan werden.
Und seinen Gemeinden ruft er zu, dass er sich wünsche, dass sie mündige Gemeinden seien, auch ohne ihn. „Kein hektischer Hühnerhaufen“, wie er schmunzelnd nachschiebt. „Lebt den Glauben glaubhaft, auch hinter der Wohnungstür, und seid da, wo ihr gebraucht werdet. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann werdet ihr erst recht dort gebraucht“, ermutigt Hänel. Da wurden ein Pfarrer und seine Ehefrau aus dem aktiven Dienst verabschiedet, die ganz nah bei den Menschen sind. Und dabei hätte er nie Pfarrer werden sollen, den Medizinern war die Stimme zu schwach, der Deutschlehrerin seine Aufsätze. Beiden hat er, tief im Glauben verwurzelt, das Gegenteil bewiesen. Und fast wie erwartet unterstreicht der Pfarrer nach 22 Dienstjahren im Kirchenkreis Südharz: „Wir müssen unseren Glauben nicht verstecken, andere sehnen sich danach auch solch einen Halt zu haben. Manchmal müssen wir um ihn ringen, aber es lohnt sich.“
Vakanzzeit
Die Vakanzvertretung teilen sich Pfarrer Gregor Heimrich und Pfarrer Jochen Lenz. Das Pfarrbüro bleibt wie gewohnt geöffnet. Ab 1. September wird David Israel das Team mit seinem Vakanzvikariat unterstützen. Mehr dazu erfahren Sie demnächst.

Tauf- und Ordinationsspruch von Matthias Hänel: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe. Johannes 15,16

Foto: Steffen Iffland
Die vollständige Predigt finden Sie hier:
www.ev-kirchenkreis-suedharz.de
zum Überblick
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.