Meldung

Pfarrer Dr. Bodo Seidel wurde verabschiedet

Dienstag, 08.Juni 2021, 06:52 Uhr

Als die Glocken der St.-Johannes-Paulus-Kirche in Niedersachswerfen am Sonntag läuten, rufen sie zum Gottesdienst anlässlich der Verabschiedung von Pfarrer Dr. Bodo Seidel. Auf den Tag genau 35 Jahre nach seiner Promotion beginnt für ihn am 1. Juli der wohlverdiente Ruhestand. Mit Bodo Seidel verlässt auch seine Frau Hildegard Niedersachswerfen, die als ehrenamtliche Kirchenmusikerin vielseitig aktiv war. Der gemeinsame Umzug nach Nordhausen ist bereits vollzogen. Und auch die gute Seele des Pfarrbüros, der Rendant Thomas Gentzsch, beendet seinen Dienst. Mit vielen Segensworten, persönlichen Ansprachen und Geschenken werden sie bedacht. Doch wie sagt Superintendent Andreas Schwarze: „Die Ordination legt man nicht ab, sie kennt keinen Ruhestand, der Pfarrdienst schon.“

Und so wird Dr. Seidel zwar aus dem aktiven Pfarrdienst verabschiedet, bietet jedoch Gemeinden weiterhin seine Unterstützung an: „Wo ich gerufen werde, werde ich erscheinen.“ Dass sein "Lebensleistungspflichtdienst", wie er gern betont, mit 65,5 Jahren jetzt ende, findet er dennoch gut. Jetzt ginge es mit mehr individueller Freiheit weiter. Den Predigttext über Jona legt er als Folie über seinen Rückblick. „Abhauen geht nicht, das Wort Gottes muss vollzogen werden!“ diesen Satz solle man am Anfang und am Ende seines Dienstes hören, betont er. Er nennt es einen Fingerzeig Gottes, dass die Jona-Geschichte der Predigttext genau für diesen 6. Juni sei. Seiner Gemeinde gibt er mehrfach den Zuspruch mit auf den Weg, dass die Gnade Gottes größer sei als gedacht und alles zum Guten wende.

An diesem Tag erinnern sich die Gäste auf vielfältige Weise an Gutes in Verbindung mit dem Ehepaar Seidel. Allen voran Superintendent Schwarze, der als blutjunger Student an der Uni auf den Privatdozenten Seidel traf. Bei anderen ist vom „Dr.-Bodo-Seidel-Reise-Fanclub“ die Rede, ebenso wie vom Literaturzirkel und von den Menschen, die um seine Predigten zu hören, extra anreisten, von zahlreichen Treffen der Senioren unter dem Apfelbaum im Garten und den Chorproben mit Hildegard Seidel. Ein offenes Haus hätten sie gepflegt, das wird ihnen liebevoll bescheinigt. Doch der Dank ist gegenseitig. Hildegard Seidel richtet im Pfarrgarten noch einmal das Wort an die Gemeinde: „Danke, dass wir euch haben durften. Ihr habt unser Leben bereichert!“ Und zur Beruhigung für ihre Chormitglieder schickt sie gleich hinterher, dass Kantorin Christine Heimrich die Chorproben künftig 14-tägig weiterführen werde. Die Gemeinden informiert Superintendent Andreas Schwarze bereits im Gottesdienst über den anstehenden Wandel. Sprich: Mit der Beendigung des Pfarrdienstes von Dr. Seidel am 30. Juni 2021 wird die Pfarrstelle Niedersachswerfen aufgehoben. Beschlossen hat das die Synode bereits 2016 mit dem Stellenplan. Für Petersdorf wird dann Pfarrer Hauke Meinhold von der Blasii-Gemeinde Nordhausen als Ansprechpartner zuständig sein. Für Krimderode-Rüdigsdorf übernimmt diese Aufgabe Pfarrer Thomas Reim. Für Niedersachswerfen und Harzungen ist Pfarrer Gregor Heimrich Ansprechpartner. Diese beiden Gemeinden sollen zukünftig mit der Kreisschulpfarrstelle verbunden werden. Damit wäre das gut sanierte Pfarrhaus wieder bewohnt.14 Jahre war es das Zuhause der Familie Seidel.
Als Pfarrer, Weltanschauungsbeauftragter der EKM, als Referent in der Kreisvolkshochschule, im Pfarrkonvent und im Rahmen der Bonhoeffer-Wochenenden, um nur ein paar Stationen zu nennen, hat Dr. Seidel theologische Spuren hinterlassen. Als Nächstes werden wahrscheinlich ganz sportlich die Spuren seiner Fahrradreifen zurückbleiben. Das Paar hat nämlich eine große Donau-Radtour bis nach Budapest geplant. Vor dem Theologiestudium war Seidel nach Budapest getrampt. Ein Kreis schließt sich.



Den 1. Teil des Gottesdienstes in der Kirche haben der Chor, Kreiskantorin Christine Heimrich sowie das Flötenquartett dieses Mal als Trio - mitgestaltet.
Den 2. Teil nach den Fürbitten feierte die Gemeinde im Pfarrgarten. Welch eine Freude, denn dort konnte man nach einer langen Zeit erstmals wieder miteinander singen. Und auch ein Posaunenchor erklang in kleiner Besetzung.
Gruß-, Abschieds- und Dankesworte gab es im Anschluss noch zahlreiche, auch der Geschenketisch füllte sich zusehends. 14 Jahre haupt- und ehrenamtlich im Weinberg des Herrn als Erntehelfer unterwegs gewesen zu sein, das hinterlässt zwischenmenschliche Spuren.
Da das Wetter gut blieb, konnte man im schönen Pfarrgarten hinterher noch ein bisschen ins Gespräch kommen. Abstand und Maske mussten auch hier noch sein, doch nach den ersten Liedern war das Gefühl trotzdem bereits ein anderes.

Regina Englert
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